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  Transkarpatisches Glossar
     
 

Afrika im Zentrum Europas - wurde Transkarpatien noch in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts in Prag genannt. Die Region hiess damals Podkarpatskij Rus und war ein halbmittelalterlicher Teil der Tschechoslowakei, so der tschechische Schriftstellers Ivan Olbracht, der oft hier verweilte.

Bevölkerungswachstum s. Familie

Cantus ist der brillante Kammerchor aus Uschgorod. Unter der Leitung von Emil Sokach hat er in den letzten Jahren internationale Dimensionen erreicht. Neben seiner Konzerttätigkeit in Europa und in den USA (2005) organisiert Cantus auch sein eigenes Festival für zeitgenössische geistliche Musik in Uschgorod.

DEZA - Die Schweizerische Entwicklungs-Zusammenarbeit ist seit mehreren Jahren in Transkarpatien aktiv. Nach den Überschwemmungen von 1998 wurden entlang der Theiss Schutzdämme gebaut. In Nischnje Selischtsche wurde im Sommer 2004 eine Trinkwasserversorgung eingeweiht, seit 2003 läuft ein langfristiges Forstprogramm unter der Leitung der Forstschule Maienfeld und Intercooperation.

Durchschnittslohn - laut Statistik liegt er in Transkarpatien mit 70-80 Euro pro Monat über dem ukrainischen Mittelwert. Allerdings spiegeln diese Zahlen kaum die Realität wieder. Ein grosser Teil der arbeitsfähigen Bevölkerung sucht Arbeit im Ausland oder in anderen Regionen der Ukraine, nur wenige Arbeitslose sind registriert.

Eisenbahn - Die erste Bahnverbindung Chop - Uschgorod wurde bereits 1872 in Betrieb genommen. In den Karpaten wurde seit der Monarchie und bis in die 1950er Jahre ein umfangreiches Schmalspur-Eisenbahnnetz aufgebaut, um das Holz aus den entlegenen Bergtälern abzutransportieren. In manchen dieser Täler gab es keine Strassen. Seit den verheerenden Überschwemmungen von 1998 wurden die meisten Schienenreste endgültig demontiert.

Familie - inTranskarpatien hat sie noch einen hohen Stellenwert. Die Unterschiede zwischen Stadt und Land sind gross. In den Städten und den Dörfern in der Ebene überwiegen Familien mit höchstens zwei Kindern, in den Bergdörfern sind Grossfamilien mit über zehn Kindern keine Seltenheit. Auch die Roma und die transkarpatischen Rumänen sind nach wie vor sehr geburtenstark. Diese Grossfamilien führen dazu, dass die Bevölkerung Transkarpatien auch in den 90er Jahren laut Statistik nicht abgenommen hat, während die Ukraine gesamt über 3 Millionen Einwohner verlor. Trotzdem sinkt in Transkarpatien die Geburtenzahl. Kinder, die bei der Geburt ein offensichtliches Gebrechen aufweisen, werden häufig "ausgesetzt" und landen in Waisenhäusern, Tendenz steigend. Abtreibung ist oft der einzige Ausweg vor allem für Mädchen unter 17 Jahren: Im Jahr 2000 fielen laut Statistik auf 100 Geburten 47 Abtreibungen, die Dunkelziffer ist bedeutend höher. Eine private Abtreibung kostet 50$.

Grenzen - Transkarpatien liegt seit dem 1. Mai 2004 direkt an der Aussengrenze der EU. Die Region hat gemeinsame Grenzen mit Polen, der Slowakei, Ungarn und Rumänien. Im Laufe der letzten hundert Jahre hat Transkarpatien sechs Mal die Staatszugehörigkeit gewechselt. (K.u.K. Monarchie, Räterepublik, Tschechoslowakei, Unabhängige Karpato-Ukraine, Horty-Ungarn, Sowjetunion, unabhängige Ukraine).

Hudaki ist eine transkarpatische Folkgruppe aus Nischnje Selischtsche. Hudaki singt und spielt die einheimische Folklore auf den traditionellen Instrumenten, ohne künstliche Arrangements. Am 12. Juli (Peter und Paul) organisiert Hudaki mit Freunden ein grosses Dorffest. www.hudaki.org

Huzulen - Ein mythenumwobener Volksstamm mit noch heute lebendigen Bräuchen und vielseitigem traditionellem Kunsthandwerk. Sie leben in den Bergen im Osten Transkarpatiens und in den angrenzenden Oblasten. Auch ihre Musik unterscheidet sich deutlich von der Volksmusik ukrainischer Tradition. Die Sprache der Huzulen ist ein ukrainischer Dialekt.

Industrie - Transkarpatien wurde bis auf wenige Vorreiter (holzverarbeitende Betriebe, Gusseisen) erst spät industrialisiert. Einige metallverarbeitende und elektrotechnische Betriebe bestehen noch aus Zeiten der Sowjetunion. Mineralwasser und Holz sind die wichtigsten natürlichen Rohstoffe. Viele kleinere Textilbetriebe funktionieren dank dem Lohngefälle als Zulieferer für westliche Marken. In der steuerbegünstigten Zone bei Uschgorod haben sich in den letzten Jahren grosse Konzerne angesiedelt: Volkswagen-Skoda, Philips, Yazaki (Kabelfertigung). Sie profitieren von niedrigen Löhnen und bezahlen fast keine Steuern.

Juden - In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebten etwa 100'000 Juden in Transkarpatien, die Städte waren bis zu 30 Prozent jüdisch. In mehreren Siedlungsbewegungen hatten sie sich seit dem 17. Jhd. in der Region niedergelassen. 1944 wurden sie von den deutschen Besatzungstruppen zunächst in Sammellager und anschliessend in die Vernichtungslager nach Polen gebracht. Von den wenigen Überlebenden kam fast niemand in die ehemalige Heimat zurück.

Kindersterblichkeit - ist in Transkarpatien hoch. 1993 starben beinahe 15 von 1000 Kindern im ersten Lebensjahr. Als Gründe gelten sowohl Unterernährung und allgemein schlechte gesundheitliche Verfassung der Mütter als auch mangelnde medizinische Versorgung. Seit einigen Jahren ist eine leichte Verbesserung der Lage festzustellen. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Transkarpatier lag 2001 bei 73 Jahren für die Frauen und 68 Jahren für die Männer.

Longo mai hat seit 1992 eine Niederlassung in Transkarpatien. Die Kooperative engagiert sich in der Region in kleinen sozialen, mikroökonomischen und kulturellen Projekten. 2003 wurde eine Dorfkäserei eröffnet, in Nischnje Selischtsche wurde das Kultur- und Jugendzentrum neu belebt. Die Kooperative steht im Zentrum regelmässiger Ost-West-Begegnungen.

Maria Theresia - Die österreichische Kaiserin siedelte im 18. Jahrhundert oberösterreichische Holzfällerfamilien im waldreichen Bezirk Tjatschew an. In den Dörfern Ust-Tschorna (Königsfeld) und Deutsch-Mokra leben auch heute noch einige ihrer Nachfahren.

NeSTU - Das Netzwerk Schweiz - Transkarpatien/Ukraine hatte die Idee für den vorliegenden Kalender. Der Erlös aus dem Verkauf soll der Finanzierung einer Fotoreportage des international bekannten Fotografen Aleksandr Glyadyelov über das Karpaten-Bergdorf Lopuchovo dienen.

Oblast - Russische und ukrainische Bezeichnung für eine grössere Verwaltungseinheit. Transkarpatien ist die kleinste von 25 Oblasten der Ukraine, sie zählt ca. 1,2 Mio Einwohner auf 12'800 km ² (etwa wie die Kantone Bern und Wallis zusammengefasst).

Opryschky hiessen die Räuber, Rebellen und Deserteure, die sich während Jahrhunderten in den Karpatenwäldern versteckten, den Reichen nahmen und den Armen gaben. Der berühmteste unter ihnen war Olexa Dovbush, er machte während zwei Jahrzehnten ein grosses Gebiet unsicher, bis er 1745 durch Verrat ums Leben kam. Sein Ruhm hallt in immer noch gesungenen Liedern und Balladen nach.

Pavshino oder Pausching ist ein ursprünglich deutsch besiedeltes Dorf unweit der Burg von Mukatschewo. Heute beherbergt es ein grosses Auffanglager für illegale Migranten, in dem bis zu 1000 Ausländer unter äusserst schlechten Bedingungen oft monatelang festgehalten werden. Transkarpatien ist eine Transitzone für Migranten aus Asien, Afrika und arabischen Ländern auf dem Weg nach Westeuropa. Die Ukraine gilt in Westeuropa als "sicheres Drittland", hat aber kein funktionierendes Asylwesen.

Quellen - In der Region gibt es zahlreiche Mineral- und Thermalwasserquellen, viele von ihnen werden genutzt. Trinkwasser ist hingegen Mangelware sowohl in den Städten, wo durch die veralteten Wasserleitungen sehr viel Wasser verloren geht, als auch in vielen Dörfern, wo die Brunnen durch eindringendes Oberflächenwasser verschmutzt sind. (s. DEZA)

Roma gibt es in Transkarpatien laut Schätzungen über 40'000, das ist mehr als in der ganzen restlichen Ukraine zusammen. Viele von ihnen wurden erst um 1960 in den Städten zwangsangesiedelt. Diese Roma haben sich bis heute kaum auf die neue Lebensweise eingestellt und leben in grösster Armut. Andere verdienen ihren Unterhalt bei der städtischen Strassenreinigung und Müllabfuhr, mit dem Sammeln von Altpapier und Altmetall, in den Dörfern mit Kesselflickerei, als Pferdefuhrwerker und Feldarbeiter.

Saisonarbeit ist für den grössten Teil der transkarpatischen Bevölkerung unumgänglich. Je nach Jahreszeit sind zwischen 25 und 40 Prozent der arbeitsfähigen Landbevölkerung fern der Heimat. In den zentralen und südöstlichen Teilen der Ukraine arbeiten sie in der Landwirtschaft (Weizen, Sonnenblumen, Zuckerrüben), in Russland in den Sektoren Forst, Bau und Erdöl, in Tschechien auf dem Bau und in der Industrie, in Südeuropa in allen traditionellen Berufen für Saisonniers. Studenten machen in Grossbritannien "Ausbildungsjahre", während denen sie als Billiglohnarbeiter in der Landwirtschaft tätig sind. Viele junge Frauen arbeiten als Haushaltshilfen in Westeuropa, immer wieder werden sie Opfer von Zuhälterbanden. Die Grenzen zwischen legaler und illegaler Saisonarbeit und der definitiven Emigration sind oft verschwommen.

Tuberkulose - Die Krankheit hat sich in Transkarpatien in den vergangenen Jahren stark verbreitet. Die Statistik zählte 1995 182 infizierte Personen auf 100'000 Einwohner, 2000 waren es 198, 2002 schon 233. Damit liegt Transkarpatien an der Spitze der Ukraine. In erster Linie betroffen sind alle sozialen Randgruppen. AIDS, das sich in mehreren Regionen der Ukraine extrem schnell ausbreitet, ist in Transkarpatien (noch) selten. Präventionsprojekte s. www.cam-z.org

Tourismus ist traditionell einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Region, der nach einigen Jahren der Stagnation nun wieder eine starke Dynamik entwickelt. Die Gäste kommen in erster Linie aus Kiew und anderen Regionen der Ukraine, aus Russland, Tschechien, Ungarn, neuerdings auch aus Westeuropa (Deutschland...). Die wichtigsten Attraktionen Transkarpatien sind seine Wälder und Gebirgsbäche, die Thermalquellen und auch einige (einfache) Wintersportorte mit hoher Schneesicherheit.

Ungarn beherrschte während Jahrhunderten das Gebiet des heutigen Transkarpatien. Die magyarische Bevölkerung war aber stets in der Minderheit; dies selbst, wenn sich Juden, Roma und Deutsche davon Vorteile erhofften, ebenfalls offiziell als Ungarn registriert zu sein. In der Region leben etwa 120'000 Ungarn (sie sind aber ukrainische Staatsbürger.) So wie die anderen grossen Minderheiten haben sie ihre eigenen Schulen und Medien.

Überschwemmungen haben zuletzt 1998 und 2001 grosse Teile Transkarpatiens verwüstet, davon betroffen waren sowohl die Theissebene als auch die obersten Bergtäler. Inzwischen wurden an den wichtigeren Gewässern Schutzdämme gebaut oder erneuert. In den Bergtälern besteht die Bedrohung allerdings mangels entsprechender Massnahmen weiter.

Visum - Seit dem 1.Mai 2004 grenzt Transkarpatien an drei EU-Mitgliedstaaten: Polen, Slowakei und Ungarn. Der vierte Nachbar, Rumänien, soll 2007 Mitglied werden. Die Osterweiterung bedingte die Einführung der Visapflicht für alle vier Länder, was vor allem für die einfache Bevölkerung ein grosses Hindernis darstellt.

Wald - In der Ukraine sind mit 9.5 Mio. Hektar lediglich 16% der gesamten Fläche mit Wald bestockt, das ist im europäischen Durchschnitt wenig. Ein ganz anderes Bild präsentiert sich in den waldreichen Karpaten. Die gesamte Fläche des Waldfonds von Transkarpatien ist heute Staatseigentum, er umfasst 694'000 ha (= ca. 60% der Oblast-Fläche). Zwei Drittel davon sind Laubwälder, ein Drittel Nadelwälder.
In Transkarpatien befinden sich zudem die grössten Buchenurwälder der Welt. Gemeinsam mit Misch-Urwäldern und dem einzigartigen Narzissenfeld sind sie Teile des Karpaten-Biosphärenreservats.
vgl.: Brändli, U.-B.; Dowhanytsch, J. (Red.) 2003: Urwälder im Zentrum Europas. Haupt-Verlag , Bern

XYCT (kyrillisch geschrieben) für Chust. Die Bewohner des Provinzstädtchens an der Theiss erwähnen mit Stolz, dass Khust vor über 1100 Jahren gegründet wurde. Lange war Chust eine der bedeutendsten Städte der Region, die Burgfestung kontrollierte den Salztransport aus dem südlichen Maramures-Gebiet. In Chust leben heute noch Ukrainer, Ungarn, Roma, Russen, Juden, Aserbaidschaner, Armenier, Deutsche... und beinahe ebensoviele Konfessionen.

Ysteht im kyrillischen Alphabet für das lateinische U...

Zakarpattja, ukrainisch für Transkarpatien. Diesen Namen erhielt die Region erst mit ihrer Einverleibung in die Sowjetunion 1946, er bedeutet "Jenseits der Karpaten", also von Moskau bzw. Kiew aus betrachtet.

Quellen: Fedir Shandor, Dozent an der Universität Uschgorod; Comité d'Aide Médical - Transcarpatie (Uschgorod); Brändli/Dowhanytsch, 2003 Urwälder im Zentrum Europas; Redaktion: Jürgen Kräftner (NeSTU, Longo mai - Ukraine)

 
         
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